Neues Anti-Zensur-Werkzeug gegen Internetsperren
Telex heißt das neue Anti-Zensur-Werkzeug, mit welchem US-Forscher Internet-Sperren in China und anderswo zuverlässig umgehen wollen. Notfalls dient das ganze Netz als Versteck, wie Eric Wustrow von der University of Michigan im Interview mit „Technology Review“ erklärte. Um Sperrungen in zensierten Ländern zu umgehen, wird stellen Internetanbieter anderer, zensurfreier Länder, ihr Internet zur Verfügung.
Zensurfreie Surfen schwer gemacht
Menschen in Ländern mit Internet-Zensur haben schon seit längerem einige Möglichkeiten, um Blockaden durch den Staat zu umgehen. Dazu gehört auch Anonymisierungssoftware wie TOR oder die Virtual-Private-Network-Technik (VPN). Diese Proxywerkzeuge lassen sich laut Wustrow allerding relativ leicht durch Zensoren wiederum blockieren. Man müsse stets eine IP-Adresse im Ausland haben, um diese Techniken nutzen zu können. Diese kann die Zensurbehörde allerdings sperren, sobald sie etwas davon erfährt, weiß Wustrow. Nutzer haben keine andere Wahl als sich ständig neue Proxys zu suchen, bevor diese von Zensoren dicht gemacht werden.
China blockiert neue Proxis schon erfolgreich kurz nach ihrem Erscheinen. Der Zugriff auf TOR ist immer wieder gestört in China und sogar einige populäre VPNs werden mittlerweile zuverlässig gesperrt. „Es wird natürlich immer Nutzer geben, die wissen, wie man diese Probleme meistert. Doch Otto-Normal-Verbraucher wird es in solchen Ländern immer schwieriger. Da greift die Zensur doch schon erstaunlich effizient bei der Mehrzahl der Menschen“, erklärte Wustrow. Er und seine Forscherkollegen von der University of Michigan versuchen nun, Alternativen zu bieten.
Gut verpackter Superproxy gegen Sperrungen
„Telex arbeitet mit einer Art Superproxy, der im Kern des Netzes steckt. Die Technik erlaubt es uns, große Teile des freien Internet zu einem Proxy zu machen. Statt nur auf eine einzelne IP-Adresse oder Domain beschränkt zu sein, agiert Telex über einen großen Teil des Datenverkehrs hinweg, der den Zensoren auf den ersten Blick harmlos erscheint. Würde man diesen Bereich blockieren, würden zahlreiche zugelassene Internet-Angebote blockiert, was die Wirtschaft eines Zensurlandes schädigen würde oder politisch nur schwer durchsetzbar ist.“ Dafür nutzt Telex kooperierende Internetanbieter aus anderen, zensurfreien Ländern. Laut Wistrow ist das zwar komplizierter, doch „wir halten das für die richtige Antwort“.
Wenn ein ganzes Land zensiert wird, wird eben das halbe freie Internet in einem anderen Land genutzt. Die Regierungen und Provider sind zu dem in der besten Position, um Zensuren zu bekämpfen – einzelne Nutzer können das nicht.
Aktuelle Entwicklung
Laut Wustrow werden gerade Wege nach einer größeren Telex-Installation zum Test ergründet. Dazu sprach das Unternehmen mit mehreren großen Internetanbietern und Gelder eingeworben. „Idealerweise würde man Telex auf eine Art verwenden, bei der ein Zensurstaat die Anbindung an ein anderes Land ganz kappen müsste – oder zumindest große Teile des Netzes.“ Doch das kann ein Zensurstaat kaum tun.
„Die Websites, die dann mitmachen, sind solche, die von den beteiligten Providern oder Regierungen vorgehalten werden. Ziel ist dabei stets, dass die Kollateralschäden der Blockade groß wären.“ Um Telex praktisch zu nutzen gibt es zwei Varianten, die beide Vor und Nachteile bergen. „Eine Telex-Station, die näher an einem Zensur sitzt, etwa der Anbieter von Satelliten- oder Seekabelverbindungen, würde mehr Websites anbieten können, die Telex nutzen. Eine Station von einer besonders populären Website würde wiederum dafür sorgen, dass die Technik nicht so leicht blockiert wird (…) Für den browser ist das Telex-Client Programm ein ganz normaler HZZP-Proxy. Die Verbindung, die der Client nutzt, um mit der Telex Station zu kommunizieren, wirkt für den Zensor wie eine normale Verbindung zu einer nichtblockierten Website. Die zurückfließenden Daten werden genauso unauffällig verpackt.“
