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SOPA und PIPA: Internetseiten streiken massenhaft gegen Internetzensur

SOPA und PIPA: Internetseiten streiken massenhaft gegen Internetzensur

Wer heute auf die US-Seite von Wikipedia schaut, sieht statt dem üblichen Design ein schwarzes Fenster auf dem klar zu erkennen ist: Die freie Enzyklopädie streikt gegen die geplanten US-Gesetze zur Kontrolle des Internets. Und Google setzte einen schwarzen Balken mit dem Link zur Protest-Petition, wie die Medienwelt ausführlich berichtet. Überall finden sich Zensurschilder zum Protest, die Internetgemeinde ist empört und fürchtet Netzsperren.

Das Internet rebelliert

Um Mitternacht New Yorker Zeit begann der Streik gegen die geplanten Gesetze: Wikipedia zeigt eine dunkle Seite zum Protest, denn Kritiker befürchten, dass mit ihnen eine Zensur-Infrastruktur geschaffen werden könnte, die auch anderen Zwecken dienen könnte. Die geplanten Filtermechanismen könnten zudem neue Sicherheitsmaßnahmen gegen Virenangriffe, wie des Trojaner „DNS-Changer“ aushebeln.

Andere Online-Dienste folgten diesem Beispiel von Wikipedia: Google setzte unter seinem Suchfenster einen Link zur Online-Petition gegen das Gesetz. Nutzer in den USA können das bekannte Google-Logo nicht sehen, weil es mit einem schwarzen Rechteck verdeckt wird. Der populäre Netzwelt-Blog „Boing Boing“ ging komplett vom Netz. Die Blog-Plattform WordPress war übersät von schwarzen Blöcken mit der Aufschrift „zensiert“. Auch andere Webseiten, wie z. B. die von Greenpeace, beteiligen sich an dem Protest.

Screenshot der Greenpeace-Webseite am heutigen Mittwoch

Screenshot der Greenpeace-Webseite am heutigen Mittwoch

Die Proteste von Netzaktivisten und Internetwirtschaft dauern schon mehrere Wochen an, doch das heutige, 24-stündige Blackout stellt ihren bisherigen Höhepunkt dar. Große Internetkonzerne stellen sich auf die Seite der Kritiker, während jedoch der amerikanische Filmverband MPAA die Gesetzespläne unterstützt.

Obama auf der Seite der Kritiker

Den Gesetzesinitiativen „Sopa“ (Stop Online Piracy Act) und „Pipa“ (Protect IP Act) wird von Kritikern vorgeworfen, eine Zensur des Netzes den Weg zu bereiten und dessen offene Struktur zu unterdrücken. Die Möglichkeit, den Zugang zu ausländischen, Raubkopien anbietenden, Web-Seiten zu sperren, war der Ausgangspunkt der Debatte. Die geplante Infrastruktur zur Blockade von Websites könne das Netz auch ohne Bezug auf Urheberrechtsverletzungen zensieren, wie Sopa-Kritiker fürchten.

Auch die US-Regierung unter Barack Obama übt Kritik an den Gesetzesinitiativen. Er hat allerdings im Repräsentantenhaus keine Mehrheit mehr hinter sich.

Autor des Sopa-Gesetzes ist der republikanische Abgeordnete Lamar Smith. Demonstrativ wurde die nächste Sitzung wenige Stunden vor der Protestaktion für Februar angesetzt. Unter dem vorhandenen Druck signalisierte er Kompromissbereitschaft bei den Netzsperren, aber das Gesetz wird noch lange nicht in Vergessenheit geraten.

Gesetze zur Netzneutralisierung werden derzeit auf der ganzen Welt von US-Branchenverbänden der Unterhaltungsindustrie vorangepeitscht, wobei sie vom US-Außenministerium Unterstützung erhalten. Zu ihnen gehören Firmen wie Sony, Warner oder Universal, die heut auch für die Schließung der Musikseite Grooveshark verantwortlich waren.